Rückkehr in die Berge

Kaum zu glauben – doch es sind bereits zehn Jahre vergangen, seitdem die Truck-Racer zum letzten Mal in den steirischen Bergen gastierten. Auf dem schon mehrmals umbenannten Motodrom in der Steiermark, das jetzt zum umtriebigen Red Bull Konzern gehört und dementsprechend Red Bull Ring heißt, fand das vierte Rennen der aktuellen Saison statt.

Jochen Hahn kam mit dem denkbar knappen Vorsprung von zwei Punkten als Spitzenreiter des EM-Klassements nach Österreich. Und der zweifache Europameister hoffte natürlich, an alte Stärke anknüpfen und die Führung verteidigen zu können. Allerdings war sein „ewiger Kontrahent“ Antonio Albacete in den letzten Runden stark aufgekommen – das Duell der letzten Jahre hatte wieder an Fahrt aufgenommen und sorgt weiterhin für Spannung und unterhaltsame Rennen in der European Truck Racing Championship.

Auch in Österreich stellte sich schnell heraus, dass die beiden Routiniers ihre Verfolger noch in Schach halten können. Die erste Pole des Wochenendes ging mit einem hauchdünnen Vorsprung an den Spanier, Jochen wurde im Zeittraining Superpole mit der drittschnellsten Runde gestoppt und musste folglich mit einem Startplatz in der zweiten Reihe vorlieb nehmen. Wie schon so oft in seiner Karriere, machte der Doppeleuropameister das Beste daraus – er zog mit einem fulminanten Start an Norbert Kiss vorbei. Allerdings ist der junge Ungar bekannt für seinen Ehrgeiz, den diesmal Jochen zu spüren bekam. Er musste nach dem Coup in der Startphase zwanzig Runden lang den Rückspiegel im Auge behalten, denn Kiss erwies sich einmal mehr als hartnäckiger Verfolger. An diesem Tag öffnete sich jedoch kein Türchen für den ungarischen MAN, an der Reihenfolge änderte sich bis zum Ende des Laufs nichts mehr: Antonio Albacete fuhr einen Start-Ziel-Sieg ein, Jochen wurde Zweiter und Norbert Kiss an dritter Position abgewunken. Teamkollege Mika Mäkinen fightete hart und wurde dafür mit dem sechsten Platz belohnt, René Reinert kam als Zehnter ebenfalls in die Punkteränge.

  

Auch im zweiten Rennen war die Teamleistung sehenswert. Erneut schrieben sich alle drei „Hahn-Trucks“ in den Punkterängen ein. Mika Mäkinen erwischte dabei das beste Ende, er durfte als Dritter mit auf das Podium. Was ihn diesmal besonders zu freuen schien, denn der Finne, der Siegerehrungen ansonsten mit stoischem Gesicht erträgt, lächelte in Spielberg ganz locker in die Kameras, als er den Pokal entgegen nahm. Jochen Hahn machte in diesem Rennen mit gestürztem Start (wie es in Österreich heißt) zwei Plätze gut und wurde Fünfter, René Reinert landete auf Platz acht.

  

Neuer Tag, neues Glück? Vielleicht am Nürburgring, wenn Jochen Hahn den Heimbonus ausnutzen kann. Aber in Österreich stand bereits nach dem Qualifying fest, dass es erneut ein Tag mit viel harter Arbeit für das Castrol Team Hahn Racing werden würde. Am Ende hatten allerdings die weiß-grünen Mechaniker weniger Arbeit als ihre Kollegen: Jochen Hahn wurde mit der viertschnellsten Rundenzeit gestoppt, der Abstand auf die Spitze betrug die Winzigkeit von gerade einmal drei Zehntel Sekunden. Doch das dritte Championshiprace des Wochenendes wurde eine beinharte Angelegenheit, nach der etliche Trucks arg lädiert im Parc fermé standen. Nicht so der MAN von Jochen – der war an beiden Enden heil geblieben. Der Europameister hatte sich aus den knallhart ausgetragenen Positionskämpfen herausgehalten, sein Sportgerät raste daher ohne Blessuren ins Ziel.  Was umgekehrt auch bedeutet, dass Jochen sein Ergebnis aus dem Zeittraining unverändert übernahm, er wurde Vierter.

 

Im abschließenden Wertungslauf auf dem Red Bull Ring schaffte es der Fahrer mit der Startnummer 1 einmal mehr, seine Position zu behaupten. Wegen des gedrehten Starts ging Jochen von Platz fünf aus ins Rennen, das war zugleich das Resultat nach zwanzig Rennrunden. Damit steht fest: Beim Heimrennen auf dem Nürburgring wird der amtierende Champion als Verfolger antreten – Antonio Albacete übernahm die Führung im Gesamtklassement. Die European Truck Racing Championship 2013 bleibt spannend. Und was das Ringen der beiden Markenkollegen Albacete und Hahn, die das Geschehen an der Spitze seit Jahren dominieren, angeht: auch fair – was man nicht von allen Scharmützeln dieses Wochenendes behaupten kann. 

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